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Wettbewerbsfähigkeit deutscher Solarunternehmen in Gefahr

Der international tätige Financial Advisor und M&A-Berater mit Fokus auf die Bereiche Schifffahrt, Energie, Konsumgüter und Ernährungswirtschaft, Industrie und Dienstleistungen, Gesundheit, Transport und Infrastruktur sowie Immobilien HSC Corporate Finance empfielt Deutschen Solarunternehmen die Ausweitung der Wertschöpfungskette und die Gründung von strategischen Partnerschaften, um konkurrenzfähig zu bleiben und sich unabhängiger von der Preisentwicklung von Solarzellen zu machen.

Bis vor kurzem galt Deutschland im Bereich Solarenergie als führend in der Forschung, Produktion und Nutzung. Im boomenden Industriezweig entstanden in wenigen Jahren 150.000 Arbeitsplätze bei rund 15.000 Solarunternehmen. Doch ausgerechnet 2011 – dem Jahr des Atomunfalls von Fukushima und der Besiegelung des deutschen Atomausstiegs – kam der Absturz. Mit Solon SE und Solar Millennium AG gab es bereits erste Insolvenzen renommierter Unternehmen im Dezember 2011, betroffen ist jedoch die gesamte Branche.

"Hersteller, die jetzt nicht die richtigen strategischen Entscheidungen treffen, werden die Marktkonsolidierung mittelfristig nicht überleben", sagt Thomas Gabbert, Mitglied der Geschäftsleitung und Experte für erneuerbare Energien bei der HSH Corporate Finance. "Um jetzt bestehen zu können, sollten Solarunternehmen in Betracht ziehen, ihre Wertschöpfungskette auszuweiten, um so nach Möglichkeit ihren Zugang zu Absatzkanälen und Finanzierung zu sichern."

Zugesetzt hat den deutschen Solarherstellern der massive Preisverfall bei Solarmodulen durch den Markteintritt kostengünstig produzierender chinesischer Unternehmen. Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft haben sich die Preise für schlüsselfertige Solarstrom-Anlagen seit 2007 mehr als halbiert. Gleichzeitig sitzen viele Hersteller auf Produktions-Überkapazitäten und vollen Lagerbeständen: Durch die Kürzung der deutschen Solarstromförderung um 13 Prozent Anfang 2011 mit dem Ziel, den Ausbau auf 3.500 Megawatt (MW) zu beschränken, brach die Nachfrage im weltweit größten Solarmarkt zunächst ein und erholte sich erst zum Jahresende signifikant. Insgesamt wurden 2011 Solaranlagen mit rund 7.500 MW Gesamtleistung installiert. Das Ziel der Ausbaubeschränkung wurde also nicht erreicht, denn durch den unerwarteten Nachfragesprung im Dezember 2011 wurde sogar die Gesamtleistung des extrem guten Jahres 2010 um rund 100 MW übertroffen. Zum 1. Januar 2012 trat deshalb die nächste Förderungskürzung um 15 Prozent in Kraft, eine weitere Reduzierung in gleicher Größenordnung zur Jahresmitte steht momentan in der Diskussion. Gabbert: "Durch die starke Subventionskürzung erwarten wir 2012 einen deutlichen Rückgang bei den Solarinstallationen."

Preiskampf und stagnierende Nachfrage sind laut Gabbert aber nicht die einzigen Herausforderungen: "Der Aufstieg der deutschen Solarindustrie wurde in der Vergangenheit vor allem durch technische Innovationen und hohe Subventionen vorangetrieben. Erst jetzt zeigt sich, welche Unternehmenskonzepte auch nach der
Subventionskürzung betriebswirtschaftlich tragfähig sind."
Insbesondere kleinere Solarproduzenten scheitern häufig an ihren Kostenstrukturen: "Unternehmen, die dauerhaft wettbewerbsfähig sein wollen, müssen Skaleneffekte realisieren, die zu einer Kostendegression führen. Das heißt: Kosten senken durch größere Produktionsvolumina. Außerdem ist eine solide Kapitalausstattung von zentraler Bedeutung. Diese kann durch die Aufnahme eines finanzstarken Investors oder die Eingliederung in einen multinationalen Großkonzern geschaffen werden", sagt Gabbert, der als Mergers & Acquisitions-Spezialist deutsche und internationale Unternehmen aus der Solarbranche berät.

In der Produktion von Solarzellen und -modulen haben deutsche Hersteller ihren Technologievorsprung inzwischen weitgehend verloren, denn asiatische Unternehmen stellen heute annähernd gleichwertige Produkte her – bei bis zu 30 Prozent geringeren Kosten: "Einen Preiskampf mit den chinesischen Herstellern können die deutschen Unternehmen wahrscheinlich nicht gewinnen", sagt Gabbert. "Es kommt jetzt darauf an, ein möglichst hohes Maß an Unabhängigkeit von der Preisentwicklung von Solarzellen zu erreichen. Dies kann zum Beispiel gelingen, indem die Wertschöpfung auf nachgelagerte Stufen der Wertschöpfungskette ausgeweitet wird, oder aber durch Bildung von strategischen Partnerschaften und Kompetenznetzwerken. So werden punktuelle Marktturbulenzen in bestimmten Bereichen abgefedert und die finanzielle Stabilität erhöht. Nach Auffassung der HSH Corporate Finance kommen als strategische Partner insbesondere energieintensive Großkonzerne in Betracht, für die das Thema Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien eine immer größere Bedeutung erlangt.
Neben der Integration in einen Großkonzern kann für einige Solarunternehmen auch der Einstieg eines finanzstarken Investors die richtige Lösung sein. Insbesondere asiatische Hersteller suchen nach Übernahmekandidaten in Deutschland. So übernimmt LDK Solar aus China derzeit den Konstanzer Solarmodulbauer Sunways.

Insgesamt rechnet Gabbert in den nächsten Monaten mit weiteren Übernahmen und einer Fortsetzung der Konsolidierung in der deutschen Solarindustrie – ebenso wie unter asiatischen Herstellern:
"Deutsche Unternehmen, die sich jetzt strategisch richtig aufgestellt haben und auch nach dem Ende des Solarbooms betriebswirtschaftlich erfolgreich arbeiten, werden auch in Zukunft erfolgreich am Markt konkurrieren können. Denn langfristig bleibt die Solarenergie – trotz der momentanen Nachfragedelle – ein Wachstumsmarkt mit großem Potenzial."

Autor(en): Pressemeldung der HSH Nordbank AG
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